Mülheim wird SimplyCity

Entscheidung vertagt.

Bis Anfang Juli müssen sich alle Beteiligten noch gedulden. Dann werden die Planunterlagen erneut der Bezirksvertretung sowie dem Planungsausschuss vorgelegt.
Zum Hintergrund: Nach den Sitzungen im Mai wurden noch Verbesserungsvorschläge eingebracht, die sodann in die bestehenden Entwürfe eingearbeitet wurden.

SimplyCity geht in die Politik.

Endlich ist es soweit: Im Mai wird im Planungsausschuss darüber entschieden, welche der Maßnahmen, die im Rahmen des Modellprojektes SimplyCity entwickelt wurden, in Mülheim umgesetzt werden.

Bereits Anfang des Jahres waren die Planungen den Bürgern zur Abstimmung vorgelegt worden, nun sind die Politiker an der Reihe. Bei den Planungen handelt es sich um die konkrete Umsetzung der Workshop-Ergebnisse aus einer früheren Prozess-Stufe von SimplyCity.

Für Heißen lautete die Vision: Attraktivierung des Zentrums durch Verkehrs beruhigende Maßnahmen sowie Verbreiterung der Gehwege. Hierdurch entstehen aufenthaltsfreundliche Flächen, die Platz für entspanntes Gehen, Aufenthalt und Gastronomie bieten. Zusätzlich wird die Steigerung der Aufenthaltsqualität durch flankierende Maßnahmen wie Entrümpelung und Neuordnung/Erneuerung der (nicht funktionalen und städtebaulich unattraktiven) Möblierung angestrebt. Wichtigstes Element der neuen Planung ist der Ersatz der Lichtsignalanlage durch einen Kreisverkehr.

Die Leitidee in der Leineweber Straße sah folgendes vor: Steigerung des Boulevardcharakters der Leineweberstraße. Um die Aufenthaltsqualität zu verbessern und die Querung der Fahrbahn auf der ganzen Länge der Straße zu ermöglichen, werden insbesondere eine Entschleunigung des Verkehrs und die Beibehaltung der Einbahnstraße angestrebt. Eine definierte Querungsstelle ohne Lichtsignalanlage bleibt weiterhin dort bestehen, wo sich im Moment noch die Ampel befindet.

Im Modellgebiet Mellinghofer Straße wünschten sich die Teilnehmer: „Verlagerung des Radverkehrs in Form von markierten Schutzstreifen vom Bürgersteig (Bordstein-Radweg) auf die Fahrbahn. Der hierfür erforderliche Raum entsteht durch die kombinierte Nutzung der Fahrbahn vom ÖPNV und MIV. Mit der Verlagerung des Radverkehrs auf die Fahrbahn entstehen breite, aufenthaltsfreundliche Flächen, die Platz für entspanntes Gehen, Aufenthalt und Gastronomie bieten. Darüber hinaus werden die Grünzeiten der Signalanlagen neu verteilt.“

All das wurde in den Planungen berücksichtigt und liegt zunächst den Bezirksvertretungen am 5. und 12. Mai vor und abschließend stimmt der dem Planungsausschuss der Stadt Mülheim am 17.5.2011 über die Entwürfe ab.

Weitere Informationen sowie Einsicht in die Planunterlagen erhalten Sie nach der Ausschusssitzung an dieser Stelle.

Entrümpelungsaktion gestartet

In der Nacht vom 25. auf den 26. November 2010 wurden in Heißen rund 80 Objekte verhüllt, die demnächst entsorgt oder neu arrangiert werden sollen. Die "Verhüllungskunst" blieb bis zum 28.11. bestehen.

Nun werden Schritt für Schritt die fehlplatzierten Objekte entsorgt oder neu arrangiert.


Mülheim räumt auf - mehr Platz für Menschen.
Entrümpelungsaktion in Heißen Mitte

Im nächsten Schritt wird aufgeräumt. Und zwar im Modellgebiet Mülheim-Heißen. Ende September 2010 hat zu diesem Zweck eine Kommission aus Vertretern der Stadtverwaltung, des Ministeriums, von StadtBauKultur NRW sowie des projektleitenden Planerbüros Südstadt bei einer Ortsbegehung ausgewählt, was im Sinne von SimplyCity nutzlos oder sogar störend ist wie deplazierte Blumenkübel, Fahrradständer oder Parkbänke. Anregungen hierzu waren vorab von interessierten Bürgerinnen und Bürgern eingereicht worden und werden weiterhin entgegengenommen. Entweder per Dialogkarte oder über die interaktive Karte.

Bei der folgenden „Entrümpelungs-Aktion“ soll dann der Straßenraum aufgeräumt und attraktiver gemacht werden.

Wenn Sie noch Ideen haben, nutzen Sie bitte die interaktive Karte oder schreiben Sie uns eine E-Mail.

 

Jetzt sind die Bürger gefragt
Bürger-Workshops

Von April bis September wurden in den Modellgebieten unter Beteiligung von Vertretern relevanter gesellschaftlicher Gruppen Workshops durchgeführt. Ziel dieser direkten und bürgernahen Mitwirkung war, die Ideen und Vorschläge der Bürgerinnen und Bürger so exakt wie möglich zu erfassen und gleichzeitig eine neue Kultur des Miteinanders von Bürgern, Wirtschaft, Kultur, Politik und Verwaltung in ihrer Stadt zu etablieren.

Die Workshops zeichneten sich durch ein hohes Maß an Engagement und Kreativität aus. Etliche Teilnehmer waren der Einladung der Stadt Mülheim gefolgt – Politiker aller Coleur, Fachleute aus der Verwaltung, der Polizei, Geschäftsleute, Verbände und auch „ganz normale“ Bürgerinnen und Bürger. In sich abwechselnden Phasen aus Plenums- und Kleingruppenarbeit entstanden Visionen einer idealen „SimplyCity“. Die Entwicklung von Leitwerten sowie konkreter auf die Umsetzung der Visionen ausgerichteten Maßnahmen sorgte für die notwendige Bodenhaftung. Wie auch im Gesamtprojekt stand fest: Einfachheit ist die oberste Prämisse – im Hinblick auf die Straßenraumgestaltung aber auch auf die langfristige Finanzierbarkeit von Mobilität. Entsprechend den erweiterten Zielen von SimplyCity, wurden ebenfalls Fragen der Verkehrssicherheit, Lebens- und Mobilitätsqualität, Belange mobilitätseingeschränkter Personen und das Thema Parken behandelt. Kurz: Welchen Beitrag kann SimplyCity zu einer zeitgemäßen Mobilitätskultur und der Gestaltung urbaner Lebensräume leisten?

Die Workshop-Ergebnisse und Maßnahmenvorschläge wurden von der Stadt Mühlheim als wertvolle Anregungen für die zukünftige Verkehrs- und Stadtplanung aufgenommen und derzeit hinsichtlich ihrer kurz-, mittel- und langfristigen Umsetzbarkeit geprüft. Die politischen Beschlüsse stehen noch aus.

 

Workshop 1, 16. März 2010, Heißen Mitte
Workshop-Ergebnisse

In Heißen stand das Anliegen, den Menschen und das menschliche Miteinander als zentralen Ausgangspunkt aller Planungen zu begreifen, im Mittelpunkt. Dabei ging es nicht nur um die Gleichberechtigung aller Verkehrsteilnehmer in Bezug auf Dimensionierung (Breite) und Qualität der Wege, sondern auch um den Wunsch nach mehr Aufenthalts- und Lebensqualität. Dieser drückte sich in der Vision einer „grünen“ Mitte mit vielen Pflanzen aus, in der sowohl Lebendigkeit als auch Ruhe Platz haben.

Erreicht werden solle dies vor allem über die Reduzierung aller nutzlosen Objekte und Regelungen sowie eine einfachere Verkehrsführung, die für mehr Ãœbersichtlichkeit und besseren Verkehrsfluss sorgt. Dabei entstand die Idee, die Ampelanlage an der Kreuzung Paul-Kosmalla-Straße, Honigsberger Straße und Hingbergstraße abzubauen. Weiterhin solle ein neues, transparentes und einfaches Parkraumkonzept mit Kurz- und Langzeitparkplätzen entwickelt werden. Erklärtes Ziel: Parker behindern den Verkehrsfluss nicht mehr. Darüber hinaus wurde die Schaffung von Querungsanlagen und Sichtbeziehungen als wichtiger Aspekt diskutiert.

Hauptforderung der nicht-motorisierten Verkehrsteilnehmer war es, durch die Verbreiterung von Rad- und Fußwegen und die Verbesserung deren Qualität Gleichwertigkeit mit dem motorisierten Verkehr herzustellen. Wichtige Aspekte dabei: Baulicher Zustand, Oberflächenqualität und Barrierefreiheit. Langfristiges Ziel müsse sein, eine Infrastruktur zu schaffen, die zum Radfahren und Zufußgehen einlädt und innerorts eine echte Alternative zum Auto bietet. Unter dem Motto, „Radwege für Radfahrer und Fußwege für Fußgänger“ nahm das Thema Parken eine zentrale Rolle ein und die Schaffung von Parkplätzen wurde befürwortet.

Der „ÖPNV“ solle aus dem Nischendasein herausgeholt und insgesamt eine besser Funktionalität geschaffen werden, sowohl was die Taktdichte, die Vernetzung als auch die baulichen Maßnahmen an den Haltestellen angeht.

Workshop 2, 29. April 2010, Mellinghofer Straße
Workshop-Ergebnisse

Im Workshop der Mellinghofer Straße waren viele Bürgerinnen mit Sehbinderung, bzw. -einschränkung der Einladung gefolgt. So wurde diese einmalige Chance genutzt, um auch ein SimplyCity-Idealbild mit besonderen Anforderungen aus der Perspektive von Verkehrsteilnehmern mit Mobilitätseinschränkungen zu entwickeln.

Da sich die grundlegenden Bedürfnisse von Menschen mit Mobilitätseinschränkungen häufig von denen ohne Einschränkungen unterscheiden, war es eine besonders spannende Aufgabe, diese zusammen zu führen. Umso aufschlussreicher war das Endergebnis: Trotz aller Unterschiedlichkeit stand der Wunsch nach Verlangsamung des Pkw-Verkehrs sowie der Straßenbahn und die Schaffung eines attraktiven, lebendigen Stadtteils mit Boulevard-Charakter im Mittelpunkt aller Visionen. Sicherheit wurde deutlich als eines der wichtigsten Kriterien für alle (Um-)Gestaltungsmaßnahmen genannt. Ein Vorschlag lautete, Tempo 30 einzuführen, um die Straße zu „entschleunigen“ und damit Bewegungs- und Begegnungsfläche für nicht-motorisierte Verkehrsteilnehmer zu schaffen, z.B. in Form von Außengastronomie, grünen Oasen und breite Gehwege. Außerdem bietet Tempo 30 günstige Rahmenbedingungen für eine barrierefreie Gestaltung. Unter Barrierefreiheit versteht man in erster Linie um die Entfernung von behindernden und störenden Einbauten auf allen Fußwegen.

Das Anliegen, die Signalanlagen abzubauen und durch Kreisverkehre bzw. unsignalisierte Knotenpunkte zu ersetzen, wurde kontrovers diskutiert, aber nicht grundsätzlich abgelehnt, so denn sichergestellt sei, dass auch bei einem Kreisverkehr die Belange der Blinden und Sehbehinderten berücksichtigt würden.

Workshop 3, 16. September 2010, Leineweberstraße
Workshop-Ergebnisse

Die Teilnehmer des Workshops in der Leineweberstraße waren sich schnell einig.

Die Leineweberstraße solle zukünftig einen Boulevardcharakter erhalten, der zum Flanieren und Verweilen einlädt: Der „Leineboulevard“. Beabsichtigt sei, die Leineweberstraße zu „entschleunigen“. Dies solle gleichermaßen für den MIV wie auch für den ÖPNV gelten. Ziel sei die Schaffung eines Boulevards mit hoher Aufenthaltsqualität, der von MIV und Straßenbahn langsam befahren wird und somit ausreichend Zeitlücken entstehen, die es dem Fußgänger erlauben, die Straße auch zwischen den Kreuzungen sicher zu überqueren. D.h. die heutige verkehrliche Trennwirkung zwischen den Straßenseiten würde aufgehoben; die mittig gelegene Fußgängerampel könnte entfallen. Der „neue Status“ der Leineweberstraße würde durch die Ausweisung als „verkehrsberuhigte Geschäftsbereich“ mit Tempo 20 kmh verdeutlichet. Im zweiten Schritt solle dann die Trennung von Geh- und Fahrfläche aufgehoben werden. Ein wichtiger Aspekt war außerdem, die Beibehaltung des Einrichtungsverkehrs, für den die Teilnehmer sich einstimmig aussprachen.
Aber auch eine Aufwertung der Straße durch neue Gestaltungselemente (Sitzgelegenheiten, Brunnen), ein aufgewertetes Pflaster und die Entfernung von störendem Mobiliar (Bsp. Toilettenhäuschen) werden angestrebt. Dazu gehört auch die Straßenpflege, Fassadenaufwertung und die Begrünung. Eine Belebung durch mehr Außengastronomie, die Wiedereinrichtung der Haltestelle „Kofferecke“ und der Einrichtung von Kurzzeitparkplätzen soll wenn möglich erfolgen.
Leitend für die Entwicklung aller Ideen war die Vision einer „Wohnstadt“ mit kurzen Wegen, die sich den wandelnden demografischen Verhältnissen anpasst.

Die vorgeschlagene Aufstellung von Geschwindigkeitsdisplays und Durchführung von Geschwindigkeitskontrollen sind ein erster Schritt, um die gewünschte Geschwindigkeitsreduzierung zu erzielen.

Die Umsetzbarkeit der erarbeiteten Maßnahmen wird nun von der Stadt Mülheim geprüft, um sie dann den politischen Gremien zur Abstimmung vorzulegen.

 

Aktion Schilderwald

Eine Kommission aus Vertretern der Stadtverwaltung, der Polizei, des ADAC, der Bezirksregierung Düsseldorf, des Verkehrsministeriums sowie des projektleitenden Planerbüros Südstadt wählte Ende 2009 in den drei Modellgebieten Mülheim-Heißen, Mellinghofer Straße und City/Leineweberstraße Verkehrszeichen und Wegweiser aus, die als überflüssig oder kontraproduktiv erachtet wurden.

Im Rahmen einer ca. 2 Monate dauernden Verhüllungsaktion (Dezember 2009 bis Januar 2010) wurden die „entbehrlichen“ Schilder mit gelben Plastiksäcken verdeckt und zugleich die „neue“ Situation erprobt. Nach Ablauf dieser „Probezeit“ wurde die Situation in den Modellgebieten durch die Kommission abschließend geprüft, wobei die gewonnenen Erfahrungen hinsichtlich Verkehrsfluss und Leistungsfähigkeit ebenso berücksichtigt wurden, wie das Feedback aus Politik und Bürgerschaft. Die tatsächlich überflüssigen Schilder wurden schließlich demontiert.

Die Ergebnisse fielen deutlich aus:

  • In Mülheim-Heißen wurden von 301 vorhandenen Schildern 126 demontiert (41,9%).
  • Im Bereich der Mellinghofer Straße waren von 227 vorhandenen Schildern 111 entbehrlich (48,9%).
  • Im Bereich der Leineweber konnten aus dem Bestand von 204 Schildern 105 entsorgt werden (51,5%).